In Portugal werden 70.000 neue Wohnungen pro Jahr benötigt – Bauträger warnen vor einer Wohnungskrise

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Portugal sieht sich mit einer zunehmenden Wohnungskrise konfrontiert, wobei sich in den letzten zehn Jahren ein Mangel von etwa 300.000 Wohnungen akkumuliert hat, warnen Bauträger.

Um dieses Defizit zu beheben, muss das Land laut dem portugiesischen Verband der Bauträger und Investoren (APPII) die jährliche Wohnungsbauleistung von derzeit rund 20.000 Wohnungen auf mindestens 70.000 neue Immobilien pro Jahr bis 2029 verdreifachen.

Der Verband erklärt, dass legislative Stabilität, industrialisiertes Bauen und schnellere Genehmigungsverfahren unerlässlich sind, um das Angebot an erschwinglichem Wohnraum zu erhöhen.

Vor kurzem hat APPII bei einem Treffen mit dem Ausschuss für Infrastruktur, Mobilität und Wohnungswesen des Parlaments allen politischen Parteien Empfehlungen vorgelegt und dabei die Maßnahmen hervorgehoben, die für die Bewältigung der Wohnungsknappheit als entscheidend gelten.

„Die Diskussion über Wohnraum muss mit der Lizenzvergabe beginnen. Ohne Vorhersehbarkeit, Rechtssicherheit und weniger Bürokratie werden Projekte jahrelang blockiert bleiben und Wohnungen nie auf den Markt kommen“, sagte Hugo Santos Ferreira, Präsident der APPII.
„Ohne ein ausreichendes Angebot ist es unmöglich, Wohnungen zu Preisen zu bauen, die sich portugiesische Familien leisten können. Die Wohnungen werden von Bauträgern gebaut, nicht vom Staat, daher ist Zusammenarbeit der Schlüssel zur Bewältigung dieser nationalen Herausforderung.“

Verzögerungen bei Lizenzvergabe treiben Immobilienpreise in die Höhe

Manuel Maria Gonçalves, Geschäftsführer von APPII, warnt vor enormen Kosten durch langsame Genehmigungsverfahren. In den letzten drei Jahren wurden zwar über 50.000 Wohneinheiten genehmigt, aber nie gebaut, da sie sich als wirtschaftlich nicht rentabel erwiesen.

Jedes Jahr Verzögerung bei der Erteilung der Baugenehmigung kann die Gesamtkosten einer Wohnung um etwa 500 Euro pro Quadratmeter erhöhen. Bei einer 75 m² großen Immobilie bedeutet dies zusätzliche 37.500 Euro pro Jahr, wodurch die Preise für Familien noch weiter in unerreichbare Höhen steigen.

„Nur durch Umfang, Industrialisierung und einen stabilen Rechtsrahmen kann Portugal mehr Wohnungen zu Preisen bauen, die dem Einkommen von Familien entsprechen“, erklärt Gonçalves.

Angesichts der sich verschärfenden Wohnungsknappheit mahnt APPII, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um eine ausgewachsene Wohnungskrise in Portugal zu vermeiden.