Deutsche Schulen vs. portugiesische Schulen: Ein Leitfaden für Familien und Expats

Portugal wird für deutsche Familien und Expats immer beliebter. Klima, Lebensqualität und Kosten überzeugen. Zentrale Frage: deutsche Schule oder portugiesisches System – Überblick hilft entscheiden.
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Anna Iliewa
Anna Iliewa (Partner von idealista news)

Portugal entwickelt sich zunehmend zu einem beliebten Ziel für deutsche Familien und Expats. Das angenehme Klima, die hohe Lebensqualität und vergleichsweise moderate Lebenshaltungskosten machen das Land besonders attraktiv. Doch wer mit Kindern auswandert, steht schnell vor einer zentralen Frage: Soll Ihr Kind eine deutsche Schule besuchen oder in das portugiesische Bildungssystem eintreten? Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, finden Sie hier einen umfassenden Überblick – inklusive Schulstruktur, Notensystem und Lebenshaltungskosten.

Wie ist das Bildungsniveau in Portugal?

Das Bildungsniveau in Portugal hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Der Staat investiert kontinuierlich in Schulen, Lehrkräfte und digitale Infrastruktur. Moderne Unterrichtsmethoden und digitale Kompetenzen gewinnen zunehmend an Bedeutung und sind mittlerweile fester Bestandteil des Schulalltags.

Im europäischen Vergleich bewegt sich Portugal heute im soliden Mittelfeld – mit klar erkennbarer positiver Entwicklung. Besonders hervorzuheben sind die steigenden Bildungsabschlüsse und die zunehmende Internationalisierung.

Für Sie als Familie bedeutet das: Sie können in Portugal grundsätzlich mit einer guten schulischen Ausbildung rechnen, auch wenn das Niveau in einigen Bereichen noch nicht ganz mit dem deutschen System vergleichbar ist.

Ist das Bildungssystem in Portugal gut?

Das portugiesische Bildungssystem gilt insgesamt als zuverlässig und gut strukturiert. Öffentliche Schulen sind staatlich organisiert und für Einwohner kostenfrei zugänglich.

Zu den größten Vorteilen zählen:

  • der kostenfreie Zugang zu Bildung
  • eine zunehmende Förderung von Chancengleichheit
  • moderne Lehrpläne und Digitalisierung
  • ein integrativer Ansatz im Schulalltag 

Gleichzeitig gibt es einige Aspekte, die Sie berücksichtigen sollten:

  • der Unterricht findet in der Regel ausschließlich auf Portugiesisch statt
  • Klassen können größer sein als in Deutschland
  • Individuelle Förderung ist nicht immer im gleichen Maße gewährleistet 

Insgesamt lässt sich sagen: Das portugiesische Bildungssystem ist gut, aber nicht in allen Bereichen auf deutschem Niveau. Für jüngere Kinder funktioniert der Einstieg in portugiesische Schulen oft besser, da sie die Sprache schneller lernen, was insbesondere bei einem langfristigen Aufenthalt von Vorteil ist.

Wie ist das Schulsystem in Portugal aufgebaut?

In Portugal besteht Schulpflicht vom 6. bis zum 18. Lebensjahr oder bis zum Abschluss der 12. Klasse – je nachdem, was zuerst eintritt. Das portugiesische Schulsystem ist klar strukturiert und gliedert sich in mehrere Stufen:

Vorschule (Educação Pré-Escolar)

Die Vorschule ist für Kinder im Alter von etwa 3 bis 6 Jahren vorgesehen und nicht verpflichtend. Sie dient vor allem der frühkindlichen Förderung, sozialen Entwicklung und Vorbereitung auf die Schule. Es gibt sowohl staatliche als auch private Einrichtungen, wobei öffentliche Angebote teilweise kostenlos sind oder nur geringe Gebühren verlangen. Plätze können jedoch begrenzt sein, insbesondere in beliebten Regionen.

Grundschule und Pflichtschulzeit (Ensino Básico)

Die Schulpflicht beginnt mit etwa 6 Jahren und umfasst zunächst die sogenannte Grundbildung (Ensino Básico). Diese ist in drei Zyklen unterteilt: 

Das Ensino Básico in Portugal deckt die Schuljahre 1 bis 9 für Kinder von 6 bis 15 Jahren ab und entspricht in etwa der deutschen Grundschule und Sekundarstufe I. Es ist in drei Zyklen unterteilt: den ersten Zyklus (1.–4. Klasse), den zweiten Zyklus (5.–6. Klasse) und den dritten Zyklus (7.–9. Klasse). Der Fokus liegt auf allgemeiner Bildung, grundlegenden Kompetenzen und der Vorbereitung auf das Ensino Secundário. Im Vergleich zu Deutschland gibt es keine frühe Trennung in Gymnasium oder Realschule, sondern eine einheitliche Schulzeit bis 15 Jahre. 

Der Schulalltag ist meist ganztägig organisiert und stärker strukturiert als in Deutschland. Wahlmöglichkeiten bei Fächern sind begrenzt, und Leistungsbewertungen spielen eine wichtige Rolle.

Sekundarstufe (Ensino Secundário)

Das Ensino Secundário in Portugal umfasst die Schuljahre 10 bis 12 für Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren. Nach Abschluss des Ensino Básico wählen die Schüler zwischen allgemeinbildenden, beruflichen oder künstlerischen Richtungen, je nach Interessen und Zukunftsplänen. Der Unterricht bereitet auf die Universität, berufliche Ausbildung oder Fachschule vor. Im Vergleich zu Deutschland ähnelt es der gymnasialen Oberstufe, bietet aber eine größere Flexibilität in der Schwerpunktwahl, sodass Schüler früh ihre beruflichen oder akademischen Interessen verfolgen können.

Notensystem in Portugal

Ein wichtiger Unterschied zum deutschen System ist die Notenskala. In Portugal werden Schüler mit Noten von 1 bis 5 bewertet, wobei die Note 5 die beste ist und die Note 1 ungenügend bedeutet.

Dieses Notensystem ist klar strukturiert, jedoch nicht mit dem deutschen System vergleichbar und wirkt auf den ersten Blick ungewohnt,. In höheren Klassen und Abschlussprüfungen kommen teilweise auch Punktesysteme zum Einsatz.

Schulalltag in Portugal

Der portugiesische Schulalltag unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich von dem in Deutschland:

  • Unterricht findet oft von etwa 9:00 bis 15:30 Uhr statt
  • das Schuljahr ist in drei Trimester mit Schulferien dazwischen unterteilt
  • stärkere Gewichtung von Prüfungen und Hausaufgaben
  • klare Struktur und weniger Wahlfreiheit 

Öffentliche Schulen unterrichten ausschließlich auf Portugiesisch, was insbesondere für ältere Kinder eine Herausforderung darstellen kann. Private und internationale Schulen bieten hingegen Unterricht auf Englisch oder Deutsch. 

Deutsche Schulen in Portugal als Alternative

Gautam Arora auf Unsplash
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Für viele deutsche Familien sind deutsche Auslandsschulen die erste Wahl. Diese orientieren sich am deutschen Lehrplan und ermöglichen Abschlüsse wie das Abitur.

Vorteile:

  • die Schüler werden auf Deutsch unterrichtet
  • ein Wechsel zurück nach Deutschland ist problemlos möglich
  • die Abschlüsse sind international anerkannt 

Nachteile:

  • hohe Schulgebühren
  • begrenzte Plätze
  • weniger Integration in die lokale Kultur 

Die Gebühren liegen meist im Bereich internationaler Privatschulen und können mehrere tausend Euro pro Jahr betragen. Für Kinder von Expats, die nur einige Jahre in Portugal leben, kann sich jedoch der Besuch einer deutschen Schule lohnen, da sie bei Wiedereinstieg in Deutschland demselben Lehrplan folgen. Neben den deutschen Schulen gibt es in Portugal eine Reihe internationaler Schulen, etwa in Lissabon oder Porto, die meist auf Englisch unterrichten und internationale Abschlüsse anbieten, jedoch ebenfalls mit hohen Kosten verbunden sind.

Deutsches vs. Portugiesisches Schulsystem im Überblick

AspektDeutschlandPortugal
SchulstrukturGrundschule (4 Jahre), danach Aufteilung auf Hauptschule, Realschule oder GymnasiumEnsino Básico (Klassen 1–9 in drei Zyklen), danach Ensino Secundário (Klassen 10–12) mit verschiedenen Schwerpunkten
UnterrichtsstilSelbstständigkeit, Diskussion, analytisches Denken, ProjektarbeitEher lehrerzentriert, strukturierter Unterricht, zunehmend projektbasiert
Notensystem1–6 (1 = sehr gut, 6 = ungenügend)1–5 (5 = sehr gut, 3 = bestanden, 1 = ungenügend)
SchulzeitenHäufig kürzere Tage, Ganztagsschulen je nach BundeslandMeist längere Schultage, oft ganztägig organisiert
BerufsausbildungDuales System: Betrieb + BerufsschuleBerufliche Bildung im Rahmen des Ensino Secundário mit schulischem Fokus und Praktika
Soziale EntwicklungIndividuelle Entwicklung im VordergrundStärkerer Fokus auf Gemeinschaft und Integration
SpracheUnterricht auf DeutschUnterricht auf Portugiesisch (Ausnahme: internationale und deutsche Schulen)
AbschlüsseHauptschulabschluss, Realschulabschluss, AbiturAbschluss der 9. Klasse, danach Sekundarschulabschluss (12. Klasse)
Eignung für ExpatsDeutsche Auslandsschulen erleichtern RückkehrGute Integration vor allem für jüngere Kinder, Sprachkenntnisse entscheidend

Kann man mit 1000 Euro in Portugal leben?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da dies stark von Ihrem Lebensstil und Ihrem Wohnort abhängt. Grundsätzlich sind die Lebenshaltungskosten in Portugal niedriger als in Deutschland. Vor allem außerhalb der großen Städte wie Lissabon oder Porto können Familien deutlich günstiger leben.

Ein grober Überblick über die monatliche Ausgaben:

  • Miete: etwa 300 bis 700 Euro außerhalb der Ballungsräume
  • Lebensmittel: rund 200 bis 300 Euro
  • Verkehrsmittel: etwa 30 bis 50 Euro 

Mit einem Budget von 1000 Euro im Monat können Einzelpersonen durchaus auskommen – insbesondere in ländlichen Regionen. In größeren Städten wird es jedoch deutlich schwieriger, und für Familien reicht dieser Betrag in der Regel nicht aus. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel: „Die besten Orte zum Leben in Portugal“.

Fazit: Welche Schule ist die richtige Wahl?

Die Entscheidung zwischen einer deutschen, portugiesischen oder internationalen Schule hängt stark von den persönlichen Prioritäten ab.

Wenn Sie nur vorübergehend in Portugal leben, bietet eine deutsche Schule Stabilität und Kontinuität. Planen Sie hingegen einen langfristigen Aufenthalt, kann eine portugiesische Schule Ihrem Kind helfen, sich besser zu integrieren und die Sprache zu erlernen.

Zusammengefasst: Portugal bietet ein stabiles, gut strukturiertes und sich weiterentwickelndes Bildungssystem. Wenn Sie die passende Schulform wählen, schaffen Sie eine hervorragende Grundlage für die Zukunft Ihrer Kinder – sowohl schulisch als auch kulturell.