In einer Zeit, in der Europa eine Energiekrise droht, haben Portugal, Frankreich und Spanien Geschichte geschrieben. Die drei europäischen Staaten haben sich auf einen sogenannten „grünen Energiekorridor“ geeinigt, der den europäischen Raum mit Erdgas und auch grünem Wasserstoff versorgen soll. Erfahren Sie die aktuellen Neuigkeiten zur Gasversorgung in Europa und über das historische Abkommen über den EU-Energiekorridor, das Portugal, Spanien und Frankreich getroffen haben, um die Energiekrise zu bekämpfen.
Die Idee besteht darin, die iberischen Energieverbundnetze zu beschleunigen und das bestehende Projekt, das nur für Gas bestimmt ist, durch ein anderes zu ersetzen, bei dem eine maritime Gaspipeline vorgesehen ist, die auch grünen Wasserstoff transportieren soll. Genau das erklärte der spanische Regierungschef Pedro Sánchez: „Wir – die drei Regierungen – haben uns darauf geeinigt, das Projekt MindCat durch ein neues Projekt mit der Bezeichnung grüner Energiekorridor zu ersetzen, welches die Iberische Halbinsel mit Frankreich und somit mit dem europäischen Energiemarkt verbindet, und zwar über die Alternative Barcelona und Marseille, wodurch eine Pipeline für grünen Wasserstoff und während des Übergangs auch für Gas [...] zwischen Barcelona und Marseille geschaffen wird.“
Das am Donnerstag, den 20. Oktober erzielte Abkommen über den Energiekorridor ist das Ergebnis „vieler Monate intensiver Arbeit zwischen den Regierungen Frankreichs, Portugals und Spaniens“, betonte Pedro Sánchez. Nach Angaben des spanischen Regierungschefs konnte grünes Licht gegeben werden, nachdem „drei Voraussetzungen“ für das Energieverbundnetz erfüllt waren, und zwar sollte es demnach:
- auch für Strom funktionieren (neben Gas und grünem Wasserstoff),
- am ökologischen Übergang ausgerichtet sein,
- und auf den Aufruf zur Solidarität reagieren, in einer Zeit, in der die Europäische Union diesen Winter eine Gasknappheit befürchtet.
Es seien jedoch noch „technische Details zu klären“, sagte der portugiesische Ministerpräsident António Costa, wie etwa die Fristen für die Investitionen, die Verteilung der Kosten und das Volumen der wirtschaftlichen Ressourcen, die zugewiesen werden müssen, einschließlich der Mittel, welche die Europäische Kommission für das Projekt bereitstellen kann.
Der französische Präsident Emmanuel Macron sprach sich dafür aus, dass der neue Energiekorridor mit europäischen Mitteln finanziert werden sollte. „Was wir heute Morgen getan haben, ist ein wichtiger Punkt der europäischen Solidarität, und im Dezember werde ich nach Spanien reisen, um dieses Projekt abzuschließen, was dazu bestimmt ist, von einer europäischer Finanzierung zu profitieren“, versicherte Macron. Um die Einzelheiten des grünen Energiekorridors festzulegen, treffen sich die Staats- und Regierungschefs der drei Länder am Rande der EUROMED (Euro-mediterrane Partnerschaft), die am 8. und 9. Dezember 2022 in der spanischen Stadt Alicante stattfindet.
Der portugiesische Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa fügte hinzu, dass dieses Projekt auch „sehr nützlich für Europa, für Mitteleuropa und für Nordeuropa ist, da angesichts des bevorstehenden Winters dringend eine alternative Lösung“ zu den Gaslieferungen aus Russland benötigt wird.
Auch der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz lobte das Abkommen. „Es ist ein großer Durchbruch, dass es eine Pipeline von der Iberischen Halbinsel nach Frankreich geben wird“, sagte Scholz am Ende eines Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel. Der deutsche Regierungschef äußerte, er sei „sehr glücklich“, dass „nach vielen Jahren“ der Gespräche „ein gutes Ergebnis“ erzielt worden sei.
Energiekorridor: eine über zehn Jahre alte Geschichte
António Costa ist der Ansicht, dass „eine der ältesten Blockaden in Europa überwunden wurde, und es ist ein guter Beitrag, den Portugal und Spanien für Europa als Ganzes leisten, indem sie zeigen, wie es möglich ist, durch die Überwindung von Blockaden den Geist der gemeinsamen Solidarität zu fördern“, und das zu einer Zeit, in der die Energiekrise Europa erschüttere.
Energieverbundnetze zwischen der Iberischen Halbinsel und dem übrigen Europa werden seit 2009 unter dem damaligen Ministerpräsidenten José Sócrates und später mit der Festigung zwischen Portugal und Spanien diskutiert. Der damalige Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Durão Barroso, sprach sich 2015 für eine Umsetzung aus, um die Energieabhängigkeit von Russland zu verringern.
Im März 2015 traf Barrosos Nachfolger Jean-Claude Juncker in Madrid mit dem ehemaligen französischen Präsidenten François Hollande, dem ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy und dem damaligen portugiesischen Regierungschef Pedro Passos Coelho zusammen, um die Modalitäten für eine stärkere Anbindung der iberischen Halbinsel an den übrigen EU-Energiemarkt zu vereinbaren.
Es sei darauf hingewiesen, dass sich das am Donnerstag genehmigte Projekt für einen grünen Energiekorridor von dem ursprünglichen Projekt unterscheidet: Das bestehende Projekt MindCat, das nur für Gas konzipiert war, wurde zugunsten des neuen Projekts aufgegeben. Dieses sieht die europäische Vernetzung von Erdgas, grünem Wasserstoff und sogar Strom vor.


