Öffentliche und private Investitionen treiben zwar das Wachstum des Sektors voran, doch der Fachkräftemangel bleibt ein großes Hindernis.
Bauwesen und Immobilien
Freepik
Cátia Colaço
Cátia Colaço (Partner von idealista news)

Das Jahr 2026 dürfte für Portugals Bau- und Immobilienbranche weiterhin ein Jahr starken Wachstums bleiben. Angesichts eines dynamischen Marktes wird die Branche von erheblichen öffentlichen und privaten Investitionen profitieren, gleichzeitig jedoch mit einem zunehmenden Mangel an qualifizierten Fachkräften konfrontiert sein, wobei das Defizit auf über 100.000 Arbeitskräfte geschätzt wird.

Laut Daten des Hays Guide 2026 wird die Nachfrage nach Hybrid-Fachkräften – die Ingenieur- und Digitalkompetenzen kombinieren – in diesem Jahr voraussichtlich aufgrund von drei Schlüsselfaktoren steigen:

  • Die obligatorische Anwendung von BIM bei öffentlichen Bauvorhaben
  • Die Industrialisierung des Bauwesens
  • Nachhaltigkeit wird zur Standardpraxis

In diesem Zusammenhang wird der Bedarf an Zuwanderern innerhalb des Sektors und an schnellen Ausbildungsprogrammen steigen, wie João Fonseca, Manager bei Hays, in einer Erklärung hervorhob:

„Digitalisierung, BIM und Nachhaltigkeit verändern das Bauwesen, aber diese Transformation ist nur mit Talenten möglich, die darauf vorbereitet sind, die neue technische Komplexität zu bewältigen.“

John Fonseca
João Fonseca, Manager Hays

Fünf wichtige Trends für den Sektor in 2026

Zu den wichtigsten Trends im Bau- und Immobiliensektor dieses Jahres zählen:

  1. Obligatorische Digitalisierung: Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach BIM-Managern und Technologiespezialisten aufgrund der Einführung von BIM als gesetzliche Anforderung für öffentliche Bauvorhaben und der Einführung von Technologien wie digitalen Zwillingen, IoT und KI steigen wird.
  2. Nachhaltigkeit als Standard: Mit der Verpflichtung zum Bau von NZEB-konformen Gebäuden und der zunehmenden Verbreitung von Zertifizierungen wie LEED, BREEAM und WELL werden Umweltingenieure und Nachhaltigkeitsberater voraussichtlich eine zunehmende berufliche Anerkennung und Relevanz erfahren.
  3. Modulare Konstruktion und 3D-Druck: Auch andere Fachkräfte, darunter Verfahrenstechniker, Logistik- und „Design for Manufacturing“-Spezialisten, werden aufgrund der Expansion von Industrieclustern und der Integration des 3D-Drucks eine höhere Nachfrage erfahren.
  4. Arbeitskräftemangel und Zuwanderung: Zuwanderer werden immer wichtiger, insbesondere für Positionen wie Facharbeiter und Techniker im mittleren Management, da der Sektor mit einem gravierenden Arbeitskräftemangel konfrontiert ist.
  5. Öffentliche Investitionen und Großprojekte: Initiativen wie der Hochgeschwindigkeitszug (TGV) und der neue Flughafen der Region Lissabon, die Teil der Pläne PRR und Portugal 2030 sind, werden die Nachfrage nach Projektmanagern und Bauleitern erhöhen.

Die Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte zu finden

In diesem Jahr sind folgende Berufsprofile besonders gefragt: Projektmanager, Bauleiter, Bauaufseher, BIM-Spezialist und Arbeitsplaner. Diese Nachfrage spiegelt den Bedarf der Branche an Managementkompetenzen und technischer Spezialisierung vor Ort wider.

Auf dem juristischen Arbeitsmarkt sind in diesem Jahr folgende Fähigkeiten am gefragtesten:

  • Fachliche Kompetenzen: Mitgliedschaft in der Anwaltskammer und ein Hochschulabschluss einer anerkannten Universität
  • Soft Skills: Verantwortungsbewusstsein, Eigeninitiative und eine ausgeprägte Ergebnisorientierung
  • Sprachen: Fließende Englisch-, Spanisch- und Französischkenntnisse

Fokus auf Zusatzleistungen und Gehaltserhöhungen

Laut dem Hays Guide 2026 plant die Branche aufgrund des Fachkräftemangels in Verbindung mit Projektfristen und Komplexität deutliche Gehaltserhöhungen und attraktive Zusatzleistungen. Dazu gehören Firmenwagen, Familienkrankenversicherung, kontinuierliche Weiterbildung, flexible Arbeitsmodelle und die Unterstützung internationaler Mobilität. Diese Maßnahmen sollen Fachkräfte gewinnen und langfristig binden.

Wachstum der modularen Bauweise

Eine der größten Überraschungen des Marktes war das unerwartete Wachstum des Modul- und Fertighausbaus, wodurch sich die Branche stärker einer industriellen Logik annäherte. Dies war jedoch nicht die einzige Überraschung. Umschulungs- und Einwanderungsprogramme, die zuvor als Lösungsansätze für den Arbeitskräftemangel galten, zeigten nur begrenzte Wirkung. Daher bleibt der Fachkräftemangel auch in diesem Jahr die größte Herausforderung für die Branche.