London hat Soho, Madrid Chueca und Lissabon Príncipe Real. Das LGBTI-Viertel der portugiesischen Hauptstadt lockt Restaurants, Geschäfte, Veranstaltungslokale, aber auch Anwohner und Investoren an. Die Einzigartigkeit dieses Regenbogenviertels wird gleichermaßen von Portugiesen und Ausländern geschätzt. Aber wie viel kostet es, ein Haus oder eine Wohnung in Príncipe Real zu kaufen oder zu mieten? Welche anderen Stadtteile könnten alternativ in Frage kommen? Verschiedene Immobilienmakler gaben idealista/news Auskunft.
Die Immobilienpreise sind in diesem Viertel gestiegen, genauso wie dies in anderen Stadtteilen der Fall ist. Laut der Verantwortlichen für Wohnimmobilien bei JLL, Patrícia Barão, liegen die Preise im Regenborgenviertel derzeit bei „5.500 Euro/m2, obwohl er bei vereinzelten Projekten bis zu 10.000 Euro/m2 erreichen kann“.
Die Immobilienexpertin weist darauf hin, dass seit zwei Jahren eine wachsende Nachfrage in dem gesamten Gebiet beobachtet wird, was „einen großen Einfluss auf die Preise hat“.
„Jedes Mal, wenn wir in Príncipe Real sind, sehen wir ein neues Geschäft“
Príncipe Real, im Stadtteil Misericórdia, ist eines der traditionsreichsten und bekanntesten Viertel von Lissabon. Für Besucher der portugiesischen Hauptstadt ist es eine obligatorische Station. Tagsüber sind die Restaurants, Geschäfte und Terrassen voller Touristen und Anwohner, aber nachts gehen die Lichter nicht aus: Bars und Diskotheken hauchen dem LGBTI-Viertel Leben ein. Der Regenbogen verblasst dort nie.
Heutzutage ist Príncipe Real eine charmante Wohngegend, die mehr und mehr „in“ ist, was sich an vielem zeigt. „Jedes Mal, wenn wir nach Príncipe Real kommen, sehen wir ein neues Geschäft, ein neues Restaurant, ein saniertes Gebäude. Das zeigt klar und deutlich, was in Lissabon in Sachen Stadtsanierung gut gemacht wird“, fügt die Immobilienexpertin hinzu. Das gesamte Angebot an Immobilien, das entstehen könnte, „wird leicht absorbiert“.
Wie viel kostet es, eine Wohnung zu mieten?
Laut João Passos, Verantwortlicher des Projektes „Lisboa Pride – homes for everyone“ und seit über 10 Jahren Immobilienberater bei Remax, ist es nicht möglich, eine Wohnung in der Gegend für weniger als 750/800 Euro im Monat zu mieten. „Bei neuen Projekten können die Preise auf bis zu 1.500/2.000 Euro steigen.“
Er versichert jedoch, „dass wir mehr Angebote für Kauf und Verkauf haben als für Vermietung“. Mietwohnungen „sind, wenn überhaupt, höchstens eine Woche auf dem Markt, denn es gibt immer viele Interessenten, sowohl Einheimische als auch Ausländer“. Das Angebot ist niedrig, vor allem seit dem Boom der Ferienunterkünfte (Alojamiento Local).
Die Ausländer sind nach wie vor ein wichtiger Faktor. Und was suchen sie? Gegenden voller Leben, Geschäfte, gute Transportmöglichkeiten und das in einer Stadt, die – obwohl „sehr offen und interessant“ für die Community –, immer noch über wenige „spezifische Angebote“ verfügt.
Das Projekt Lisbon Pride kommt zu der gleichen Schlussfolgerung: Der Immobilienexperte entdeckte eine Lücke auf einem Markt mit großer Nachfrage und beschloss, sie zu füllen. „Die Konzentration auf dieses Segment entstand, natürlich, durch Freunde, die mir die Kontakte von Bekannten, Verwandten und anderen Interessenten weitergegeben haben“, fügt er hinzu.
Einheimische vs. Ausländer
Der portugiesische Kunde dieser Community ist in der Regel mehr an einem Mietvertrag interessiert. Laut João Passos „ist der Kauf einer Eigentumswohnung teuer, und es handelt sich um einen Kunden, der besonders gerne in der Innenstadt lebt, in den historischen Gegenden, in denen die Preise stark gestiegen sind“.
Er erzählt, dass sich aus diesem Grund eine verstärkte Nachfrage nach größeren Immobilien bemerkbar macht, um etwa Wohngemeinschaften zu gründen und so die Kosten zu verteilen, ohne auf eine gute Lage verzichten zu müssen. Es ist jedoch zu betonen, dass „die LGBTI-Community normalerweise allein oder mit einem Partner oder einer Partnerin zusammen wohnt“.
Deshalb kommen Ausländer hauptsächlich mit dem Ziel, kleinere Immobilien wie Zwei- oder Dreizimmerwohnungen zu kaufen oder zu mieten, „die eng mit ihrem Lebensstil verbunden sind“.
Viertel in Lissabon, die vom Preisanstieg bis jetzt verschont geblieben sind
Das Regenbogenviertel ist eines der beliebtesten, aber auch eines der teuersten von Lissabon, um zu leben, wie die Experten betonen. Mietwohnungen kosten vereinzelt bereits über 2.000 Euro pro Monat und der Verkaufspreis pro Quadratmeter übersteigt die 10.000 Euro. Santa María Maior mit dem Stadtviertel Alfama liegt immer stärker im Trend und rückt damit außerhalb der Reichweite vieler Geldbeutel. Dort liegt der Quadratmeterpreis bei 5.643 Euro. Das heißt, dass laut Daten von idealista der Kauf einer Wohnung mit 50 m2 mehr als 280.000 Euro kosten würde. Inzwischen liegt die Durchschnittsmiete bei 22,44 Euro/m2, das heißt, für eine Fläche gleicher Größe in diesem Bereich werden schnell mehr als 1.100 Euro pro Monat fällig.
Diese Preiserhöhung treibt die LGBTI-Community in andere Stadtteile wie Arroios oder Lumiar. Die Preise in diesen Gegenden, gemäß den bei idealista zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels geschalteten Anzeigen, stiegen auch, sind aber weiterhin günstiger. In Arroios werden für den Kauf einer Wohnung durchschnittlich 4.162 Euro/m2 gefordert. Bei den Mieten liegen die Durchschnittspreise bei 18,68 Euro/m2, so dass eine Mietwohnung mit 50 m2 ca. 900 Euro pro Monat kostet. In Lumiar sind die Preise im Moment günstiger. Der durchschnittliche Verkaufspreis für eine Wohnung beträgt 3.499 Euro/m2. Die durchschnittliche Miete liegt bei 12,57 Euro/m2. Das heißt, dass eine Mietwohnung mit 50 m2 in Lumiar monatlich etwa 600 Euro kostet und eine Eigentumswohnung rund 175.000 Euro.